Die Zellstoff- und Papierindustrie sucht gezielt nach Wegen, weniger Chemikalien einzusetzen. Die dramatischen Umweltauswirkungen von Dioxin, einem Nebenprodukt, das nicht biologisch abgebaut werden kann und sich seit Jahrzehnten anhäuft, haben die Industrie gezwungen, alternative Bleichmöglichkeiten, hauptsächlich Wasserstoffperoxyd, zu suchen. Weiterhin soll der vor einem Jahrhundert erfundene Gebrauch von Glaubersalz, auch bekannt als Kraft-Aufschluss, der das Papier viel stärker macht, durch ein Enzymverfahren ersetzt werden. Dies wurde ursprünglich vom Nobelpreisträger Prof. Steven Chu, dem Energieminister in der Obama-Regierung, entdeckt. Das Verfahren ist inspiriert durch die Art, wie Termiten Holz mit ihren Mundwerkzeugen verarbeiten. Eine Gruppe malaysischer Forscher an der Universität von Sarawak hat entdeckt, wie eine Familie von Enzymen in Palmabfällen und Reisschalen hergestellt werden kann, die ohne Chemie Tinte aus recyceltem Papier entfernen kann.

Prof. Dr. Janis Gravitis, ein Experte der Holzchemie mit langjähriger Erfahrung am Lettischen Institut für Holzchemieforschung in Riga untersuchte über Jahrzehnte die Fasern von Bäumen und anderen Pflanzen. Als Physikochemiker erforschte er das Verhalten von Holz unter Einwirkung von Druck und Temperatur. Er erkannte sofort, dass sich die Holzverarbeitungsindustrie nur auf Zellulose konzentrierte, die nur 20 Prozent des gesamten Weichholzes ausmacht. Der Rest, bestehend aus Lignin, Hemizellulose und Lipiden, wird normalerweise als chemischer Cocktail verbrannt. Er entwickelte ein Verarbeitungssystem, das ohne Chemikalien, allein durch Druck und Temperatur, die Aufspaltung von Holz in vier verschiedene Teile ermöglicht. Die Technik, die unter Experten als „Dampfexplosion“ bekannt wurde, ermöglicht die Gewinnung jeder einzelnen Komponente: reines Lignin als sauberer Treibstoff, Hemizellulose als Rohmaterial für essbaren Zucker, Lipide als Öl und Zellulose zur Papierherstellung.
Janis und sein Team haben dann ihre eigene Testanlage gebaut, um alle Bestandteile bei minimalem Energieeinsatz und einem Bruchteil des normalerweise benötigten Wassers herauszulösen. Die Resultate waren beachtenswert. Fasern für Papier stellen nur einen kleinen Teil der gesamten Biomasse dar. Verglichen mit Zuckerrohr und Bambus, die viel mehr Zellulose produzieren, liegt die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Holz zur Papierherstellung in der Schaffung mehrerer Erträge durch alle vorhandenen Ressourcen. Wenn alle vier Hauptbestandteile sowie ein geschlossener Wasserkreislauf genutzt werden, entsteht ein neues Geschäftsmodell. Dieses innovative Modell, das vor allem auf den Gesetzen der Physik basiert und Diversifikationsvorteile durch mehrere Cashflows anstrebt, setzt gleich drei der Charakeristika für die Blue Economy um.