Es ist Zeit, diesen Mythos aufzuklären.

Seit Monaten werden wir mit Berichten über die Eurokrise bombardiert. Inzwischen glauben wir sogar schon, dass der Euro in der Krise steckt. Es sollte einmal klargestellt werden: Der Euro steckt nicht in der Krise. Schuld an der Krise sind übermäßige Ausgaben der Regierung, in welcher Währung auch immer. Diese übertriebenen staatlichen Ausgaben destabilisieren die Weltwirtschaft. Dabei ist egal, ob sie in Euro, Drachmen, Peseta oder D-Mark angegeben werden. Fest steht: Die europäischen Regierungen geben übermäßig viel Geld aus. Leider ist der Alte Kontinent nicht der einzige, der sich das Recht zuspricht, die nächsten zwei Generationen von Steuerzahlern zu überschulden.
Zwar können diese übermäßigen Regierungsausgaben nicht außer Acht gelassen werden, doch es ist Zeit, diese „Staatsschulden“ bzw. Schulden der Regierungen auf konsistentere Weise zu bewerten. Das Risiko einer Anleihe steht in direktem Bezug zur Fähigkeit, diese Anleihe auch zurückzuzahlen. Somit sind Ausgaben die eine Seite des Problems und Einnahmen die andere Seite. Die Fähigkeit der Regierungen, Schulden zurückzuzahlen, hängt von der Fähigkeit ab, Einnahmen zu erzielen. Hier gibt es einige kurzfristige Möglichkeiten wie den Verkauf und die Privatisierung von Dienstleistungen und Anlagegütern, doch der Schlüssel zum langfristigen Erfolg in der Bilanzierung hängt ebenso von der Fähigkeit ab, Steuereinnahmen zu sichern.
Wenn wir die Fähigkeit zu Steuereinnahmen einschätzen wollen, ist es wichtig, zunächst die angesammelten Schulden der Bürger und Firmen zu betrachten und sie in prozentualen Bezug zum Bruttoinlandsprodukt zu setzen. Wenn die Regierung übermäßig viel ausgibt und die Bürger weiterhin über solide Spareinlagen verfügen, während die Firmen ihren Fremdkapitalanteil nicht erhöhen und in spätere Aktivitäten investieren, wie es in Deutschland der Fall ist, gibt es keinen Grund, sich (zu viele) Sorgen zu machen. Doch wenn andererseits die Verbraucherkredite an ihre Grenzen geraten und etwa 100 Prozent des jährlichen Einkommens ausmachen und die Firmenbilanzen stark belastet sind und dreimal mehr Fremd- als Eigenkapital aufweisen, dann ist es offensichtlich, dass den Regierungen wenig übrig bleibt, als die Ausgaben drastisch zu kürzen und so allen Teilen der Gesellschaft schmerzhafte Einschnitte und Beunruhigung zu bescheren.
Anstatt angesichts der Zustände in Griechenland in Panik zu verfallen, würde ich vorschlagen, dass wir uns Sorgen machen um die dreifache Verschuldung in Amerika: Die Bundesregierung zusammen mit den einzelnen Staaten erreichen eine Verschuldung in Höhe von 150 Prozent des BIP, dabei wirtschaftet der Staat Kalifornien bereits am Rande des Bankrotts. Prozentual gesehen liegt die nationale und staatliche Verschuldung in den USA gleichauf mit der griechischen. Doch die wahre Krise Amerikas (nicht Griechenlands) ist die riesige angesammelte Verschuldung der amerikanischen Privatleute. Die Bürger haben mehr Schulden als ihr gesamtes jährliches Einkommen angehäuft. Dabei haben die Griechen pro Person nur einen Bruchteil der Schulden in Bezug zu ihren Einnahmen und Spareinlagen, die über ihrer Verschuldung liegen: Dies ist eher ein Zeichen der Gesundheit.
Vielleicht liegt die schlimmste Situation noch in der amerikanischen Firmenwelt; dort sind Anlagegüter belastet und Einnahmen verpfändet, es liegt also eine massive Verschuldung vor. Die Verschuldung der größten Konzerne und Banken hat inzwischen solche Ausmaße erreicht, dass ein Scheitern für unabwendbar erachtet wird. Somit profitiert die Geschäftswelt von einem Sicherheitsnetz der Regierung, besser gesagt, der künftigen Einnahmen der steuerzahlenden Bürger, die in Zukunft für unverantwortliche Entscheidungen der Geschäfts- und Finanzstrategien auf Druck der Anteilseigner zur Kasse gebeten werden. Während die Norm des Verhältnisses zwischen Fremd- und Eigenkapital bei 3:1 liegt, sind bereits viele Firmen bei einem Verhältnis von 5:1 angekommen. Eine Ratio von 10:1 ist nicht mehr die Ausnahme und wird sogar toleriert, vorausgesetzt der Cashflow deckt die Zinszahlung. Eine Firma wie Lehmann Brothers konnte nicht einmal 3 Prozent decken, d.h. die Verschuldung lag beim 30-fachen der Anlagegüter. Doch was noch schlimmer ist, ist, dass die börsennotierten Unternehmen, die ein gesundes 1:1-Verhältnis aufweisen, durch finanziell klamme Anteilseigner unter Druck gesetzt werden, damit sie entweder zusätzliche Anlagen erwerben (sich also zusätzlich verschulden) oder die Dividendenauszahlung erhöhen und so der Firma das Kapital entziehen.
Diese dramatische Dreifachverschuldung (Staat, Firmen und Bürger) bedeutet, dass es kaum Anreize gibt, die Steuern zu erhöhen, um die Staatsschulden zu senken. So erklärt sich die Aversion der Amerikaner gegen jede Art zusätzlicher Abgaben. Jeder ist so damit beschäftigt, die Zinsen für seine Verschuldung abzuzahlen, dass kein Raum für weitere Abgaben bleibt. Was auch immer flüssig gemacht werden kann, wird sofort von den Finanzinstitutionen eingezogen. Unter diesen Umständen können Zinssätze mit Steuern verglichen werden, mit dem einzigen Unterschied, dass diese an Banken gezahlt werden, deren Operationen durch Rettungspläne der Regierung garantiert werden. Wenn die Bürger und Firmen keine Zinsen mehr zahlen, dann brechen die Banken zusammen, und die Regierung muss die Differenzen ausgleichen – mit Steuergeldern. Damit schließt sich der Kreis.
Wenn wir die europäischen Privat- und Firmenschulden (mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs) beurteilen, sehen wir eine viel gesündere Situation. Zwar herrscht Konsens, dass Steuerbelastung der Bürger bei schwächelnder Wirtschaft nicht klug ist, doch ebenso wenig ist es die Fortsetzung von Rettungsplänen für Finanzinstitutionen, mit denen die Steuereinnahmen für etwa zwei Generationen für unproduktive Investitionen vereinnahmt werden, die nicht dazu beitragen, den sozialen Druck in der Gesellschaft zu mildern. Die belgische Regierung hat schließlich Einsparungen in Höhe von etwa 12 Milliarden Euro beschlossen, aber gleichzeitig der abgewirtschafteten Bank Dexia 90 Millionen Euro an Garantien zugesprochen und so die Zukunft der sozialen Sicherheit ihrer Bürger belastet. Letztlich können die immensen Schuldenberge nur abgetragen werden, indem die künftigen Generationen dafür Rechnung tragen. Der große Unterschied liegt aber darin, dass es in Europa Anreize gibt, mehr Steuern zu erheben, da die Bürger und Firmen nicht durch massive Verschuldung geschwächt sind. In Amerika ist nichts von dem verfügbar. Die Überraschung kam, als Schweden als höchster Investor für Risikokapital als Anreiz zu Innovation Amerika übertraf. Ein Land mit dem großzügigsten Sozialsystem Europas bringt den Stolz uninformierter amerikanischer Protagonisten zu Fall, die glaubten, dass sich in Europa alles nur um soziale Sicherheit drehe.
Worum sollten wir uns nun Sorgen machen, um die Eurozone, die griechische Wirtschaft oder die Amerikaner? Um alle. Doch der letzte Armutsbericht aus den USA bestätigte, dass bereits 24 Prozent der Bevölkerung unter der magischen Armutsgrenze leben und die Zahl armer Amerikaner seit Jahrzehnten ansteigt. Für ein Viertel der Bevölkerung hat sich der Amerikanische Traum ausgeträumt. Dieser ist das Privileg des einen Prozents, das die Reichtümer der Wall Street genießt. Alle anderen kämpfen einen täglichen Kampf, um über die Runden zu kommen, gegen ihr Übergewicht und um ihre monatlichen Schulden bezahlen zu können. Glauben Sie, dass Kinder sich unter diesen Bedingungen ihre Zukunft vorstellen können?
Gunter Pauli
Zwar können diese übermäßigen Regierungsausgaben nicht außer Acht gelassen werden, doch es ist Zeit, diese „Staatsschulden“ bzw. Schulden der Regierungen auf konsistentere Weise zu bewerten. Das Risiko einer Anleihe steht in direktem Bezug zur Fähigkeit, diese Anleihe auch zurückzuzahlen. Somit sind Ausgaben die eine Seite des Problems und Einnahmen die andere Seite. Die Fähigkeit der Regierungen, Schulden zurückzuzahlen, hängt von der Fähigkeit ab, Einnahmen zu erzielen. Hier gibt es einige kurzfristige Möglichkeiten wie den Verkauf und die Privatisierung von Dienstleistungen und Anlagegütern, doch der Schlüssel zum langfristigen Erfolg in der Bilanzierung hängt ebenso von der Fähigkeit ab, Steuereinnahmen zu sichern.
Wenn wir die Fähigkeit zu Steuereinnahmen einschätzen wollen, ist es wichtig, zunächst die angesammelten Schulden der Bürger und Firmen zu betrachten und sie in prozentualen Bezug zum Bruttoinlandsprodukt zu setzen. Wenn die Regierung übermäßig viel ausgibt und die Bürger weiterhin über solide Spareinlagen verfügen, während die Firmen ihren Fremdkapitalanteil nicht erhöhen und in spätere Aktivitäten investieren, wie es in Deutschland der Fall ist, gibt es keinen Grund, sich (zu viele) Sorgen zu machen. Doch wenn andererseits die Verbraucherkredite an ihre Grenzen geraten und etwa 100 Prozent des jährlichen Einkommens ausmachen und die Firmenbilanzen stark belastet sind und dreimal mehr Fremd- als Eigenkapital aufweisen, dann ist es offensichtlich, dass den Regierungen wenig übrig bleibt, als die Ausgaben drastisch zu kürzen und so allen Teilen der Gesellschaft schmerzhafte Einschnitte und Beunruhigung zu bescheren.
Anstatt angesichts der Zustände in Griechenland in Panik zu verfallen, würde ich vorschlagen, dass wir uns Sorgen machen um die dreifache Verschuldung in Amerika: Die Bundesregierung zusammen mit den einzelnen Staaten erreichen eine Verschuldung in Höhe von 150 Prozent des BIP, dabei wirtschaftet der Staat Kalifornien bereits am Rande des Bankrotts. Prozentual gesehen liegt die nationale und staatliche Verschuldung in den USA gleichauf mit der griechischen. Doch die wahre Krise Amerikas (nicht Griechenlands) ist die riesige angesammelte Verschuldung der amerikanischen Privatleute. Die Bürger haben mehr Schulden als ihr gesamtes jährliches Einkommen angehäuft. Dabei haben die Griechen pro Person nur einen Bruchteil der Schulden in Bezug zu ihren Einnahmen und Spareinlagen, die über ihrer Verschuldung liegen: Dies ist eher ein Zeichen der Gesundheit.
Vielleicht liegt die schlimmste Situation noch in der amerikanischen Firmenwelt; dort sind Anlagegüter belastet und Einnahmen verpfändet, es liegt also eine massive Verschuldung vor. Die Verschuldung der größten Konzerne und Banken hat inzwischen solche Ausmaße erreicht, dass ein Scheitern für unabwendbar erachtet wird. Somit profitiert die Geschäftswelt von einem Sicherheitsnetz der Regierung, besser gesagt, der künftigen Einnahmen der steuerzahlenden Bürger, die in Zukunft für unverantwortliche Entscheidungen der Geschäfts- und Finanzstrategien auf Druck der Anteilseigner zur Kasse gebeten werden. Während die Norm des Verhältnisses zwischen Fremd- und Eigenkapital bei 3:1 liegt, sind bereits viele Firmen bei einem Verhältnis von 5:1 angekommen. Eine Ratio von 10:1 ist nicht mehr die Ausnahme und wird sogar toleriert, vorausgesetzt der Cashflow deckt die Zinszahlung. Eine Firma wie Lehmann Brothers konnte nicht einmal 3 Prozent decken, d.h. die Verschuldung lag beim 30-fachen der Anlagegüter. Doch was noch schlimmer ist, ist, dass die börsennotierten Unternehmen, die ein gesundes 1:1-Verhältnis aufweisen, durch finanziell klamme Anteilseigner unter Druck gesetzt werden, damit sie entweder zusätzliche Anlagen erwerben (sich also zusätzlich verschulden) oder die Dividendenauszahlung erhöhen und so der Firma das Kapital entziehen.
Diese dramatische Dreifachverschuldung (Staat, Firmen und Bürger) bedeutet, dass es kaum Anreize gibt, die Steuern zu erhöhen, um die Staatsschulden zu senken. So erklärt sich die Aversion der Amerikaner gegen jede Art zusätzlicher Abgaben. Jeder ist so damit beschäftigt, die Zinsen für seine Verschuldung abzuzahlen, dass kein Raum für weitere Abgaben bleibt. Was auch immer flüssig gemacht werden kann, wird sofort von den Finanzinstitutionen eingezogen. Unter diesen Umständen können Zinssätze mit Steuern verglichen werden, mit dem einzigen Unterschied, dass diese an Banken gezahlt werden, deren Operationen durch Rettungspläne der Regierung garantiert werden. Wenn die Bürger und Firmen keine Zinsen mehr zahlen, dann brechen die Banken zusammen, und die Regierung muss die Differenzen ausgleichen – mit Steuergeldern. Damit schließt sich der Kreis.
Wenn wir die europäischen Privat- und Firmenschulden (mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs) beurteilen, sehen wir eine viel gesündere Situation. Zwar herrscht Konsens, dass Steuerbelastung der Bürger bei schwächelnder Wirtschaft nicht klug ist, doch ebenso wenig ist es die Fortsetzung von Rettungsplänen für Finanzinstitutionen, mit denen die Steuereinnahmen für etwa zwei Generationen für unproduktive Investitionen vereinnahmt werden, die nicht dazu beitragen, den sozialen Druck in der Gesellschaft zu mildern. Die belgische Regierung hat schließlich Einsparungen in Höhe von etwa 12 Milliarden Euro beschlossen, aber gleichzeitig der abgewirtschafteten Bank Dexia 90 Millionen Euro an Garantien zugesprochen und so die Zukunft der sozialen Sicherheit ihrer Bürger belastet. Letztlich können die immensen Schuldenberge nur abgetragen werden, indem die künftigen Generationen dafür Rechnung tragen. Der große Unterschied liegt aber darin, dass es in Europa Anreize gibt, mehr Steuern zu erheben, da die Bürger und Firmen nicht durch massive Verschuldung geschwächt sind. In Amerika ist nichts von dem verfügbar. Die Überraschung kam, als Schweden als höchster Investor für Risikokapital als Anreiz zu Innovation Amerika übertraf. Ein Land mit dem großzügigsten Sozialsystem Europas bringt den Stolz uninformierter amerikanischer Protagonisten zu Fall, die glaubten, dass sich in Europa alles nur um soziale Sicherheit drehe.
Worum sollten wir uns nun Sorgen machen, um die Eurozone, die griechische Wirtschaft oder die Amerikaner? Um alle. Doch der letzte Armutsbericht aus den USA bestätigte, dass bereits 24 Prozent der Bevölkerung unter der magischen Armutsgrenze leben und die Zahl armer Amerikaner seit Jahrzehnten ansteigt. Für ein Viertel der Bevölkerung hat sich der Amerikanische Traum ausgeträumt. Dieser ist das Privileg des einen Prozents, das die Reichtümer der Wall Street genießt. Alle anderen kämpfen einen täglichen Kampf, um über die Runden zu kommen, gegen ihr Übergewicht und um ihre monatlichen Schulden bezahlen zu können. Glauben Sie, dass Kinder sich unter diesen Bedingungen ihre Zukunft vorstellen können?
Gunter Pauli
Bildquelle: www.sxc.hu / Miroslav S.
Blue Economy Newsletter mit über 60.000 Teilnehmern














