nachhaltige Berichte


   
"Nach dem Ölfördermaximum kommt das Globalisierungsmaximum"

Gunter Pauli

Seit Jahrzehnten befindet sich die Weltwirtschaft auf dem Weg der Globalisierung. Der Druck zum Erreichen immer höherer Großbetriebsvorteile bei immer niedrigeren Kostenmargen zwingt die Fertigung in die Standardisierung und kürzt Ausgaben durch Outsourcing und Lieferkettenmanagement auf ein Minimum. Dabei wird die Anzahl der Lieferer auf einige wenige Großlieferanten begrenzt und alles unnötige Mittelbaumanagement im Betrieb wegrationalisiert, womit Fusionen und Aufkäufe erzwungen werden und schichtweise jeder Überschuss zur Verbesserung der Einnahmen für Investoren abgetragen wird. Dem Verbraucher werden immer niedrigere Preise geboten, um so deren Kaufkraft zu erhöhen und mehr Bürger in den ersehnten Stand der Mittelklasse zu heben. Dieser durch die Globalisierung vorangetriebene Wachstumsprozess soll angeblich zur Folge haben, dass viele Menschen zu Reichtum gelangen, während mehr Mittelklassebürger zu mehr Wohlstand kommen.

Doch die Beobachtung der globalisierten Wirtschaft scheint zu zeigen, dass das einzige nachhaltige Merkmal der Globalisierung die Armut ist. Zwar deuten die Zahlen auf Wachstum und Marktexpansion hin, doch die Wahrheit ist, dass die absolute Zahl derer, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, noch nie so hoch war wie jetzt.

Die Eindämmung der Bevölkerungsexplosion wurde als ein Schlüsselfaktor betrachtet, um eine gerechte und soziale Entwicklung für jeden Erdbürger zu ermöglichen. Es ist nicht realisierbar, die Grundversorgung aller nur auf das Erreichen dieses einen Parameters der Geburtenkontrolle zu stützen. Dafür braucht es mehr, und die entscheidende Wandlung, die erforderlich ist und dabei vielleicht die am wenigsten diskutierte, ist eine Änderung des Geschäftsmodells.

Unser Wirtschaftssystem wird durch Effizienz angetrieben, ohne jemals den Faktor der Hinlänglichkeit in Betracht zu ziehen. Unsere Geschäftswelt wird durch Gier, nicht durch Notwendigkeit inspiriert. Risiken – sei es bei Finanzspekulationen unter dem Vorwand der Liquidität auf dem Markt oder in der Darstellung der Atomenergie als billiger und sicherer Grundstromversorgung – werden einfach in Form von Rettungsschirmen oder Staatsgarantien an die Bevölkerung weitergegeben, während die Vorteile nur wenigen zufließen. Die Kluft zwischen Arm und Reich war weltweit noch nie so tief wie jetzt.

Blue Economy schlägt vor, die Grundbedürfnisse durch vorhandene Ressourcen zu decken. Es ist Zeit aufzuhören, mehr zu verbrauchen als unsere Erde hervorbringen kann. Mehr noch, wir müssen Innovationen und Technologien einführen, in denen Nährstoffe, Energie und Rohstoffe wie in Ökosystemen weitergenutzt werden. Auf diese Weise entkommen wir der Knappheit und schaffen eine Welt der Hinlänglichkeit für alle fühlenden Lebewesen – nicht nur die Menschheit.

Amory Lovins und seine Energieexperten am Rocky Mountain Institute haben bewiesen, dass die moderne Gesellschaft im Jahr 2007 das Ölfördermaximum erreicht hatte. Dies bedeutet, dass wir am Maximum dessen angelangt sind, was wir jährlich an fossilen Brennstoffen der Erde entnehmen können. Ab diesem Zeitpunkt müssen wir mit schrumpfenden Reserven leben. Dies bedeutet, wir müssen weniger verbrauchen und nach erneuerbaren Ressourcen suchen. Jetzt, da für Erdöl der Umkehrgrenzpunkt erreicht ist und nicht mehr von unbeschränktem Zugang zu fossilen Brennstoffen gesprochen werden kann, wird dem Globalisierungstrend dasselbe bevorstehen. Wir sind am Globalisierungsmaximum angelangt! Dies bedeutet: Die Konzerne, die brutale Umgestaltungsprozesse durchlaufen haben, um global zu wachsen, werden nun an ihrer eigenen Wachstumsdynamik schrumpfen. Die Gewinner werden kleine und mittlere Betriebe sein, die inspiriert von Millionen Unternehmensgründern die Grundbedürfnisse aller mit lokal verfügbaren Ressourcen decken.

Dieser Wandel ermöglicht die Gestaltung einer wettbewerbsfähigen Geschäftswelt, in der Freihandel und freies direktes Fremdinvestment nicht der Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg sind. Das neue Geschäftsmodell schafft Chancen für Risikoträger vor Ort, die imstande sind, eine breitere Zusammenarbeit zu schaffen – eine Bündelung wirtschaftlicher und sozialer Aktivitäten – mit mehrerlei Ertragsströmen und Vorteilen, die über die Zwangsjacke des Kerngeschäfts und der Kernkompetenz hinausgehen, die wie ein Mantra als Voraussetzung über der hoch standardisierten und globalisierten Welt stehen, angetrieben durch den abstrakten Begriff der „abgezinsten Finanzflussanalyse“.

Die Abwendung von der Lehre der Harvard Business School, die Geschäftsleitungen zwingt, sich allein auf ein Produkt und einen Prozess zu konzentrieren, wird sicherstellen, dass David gegen Goliath gewinnt. Davids Erfolg beruht nicht auf dem privilegierten Zugang zu globalem Kapital, Arbeitskraft, Energie- und Rohstoffmärkten, sondern vor allem darauf, dass der Trieb zur Globalisierung die Industriegiganten so geschwächt hat, dass sie inzwischen extrem verletzlich sind. Im Gegensatz zu Firmen, die unter den Fortune Global 500 aufgelistet sind, wollen die wenigsten Unternehmensgründer überhaupt an die Stelle der Riesen treten. Sie geben sich zufrieden mit einem Marktanteil von 2-3 Prozent, den jeder von ihnen von ihren übermächtigen Konkurrenten abknabbern kann.

Dieses neue Paradigma wird den Beginn eines dezentralisierten Produktions- und Verbrauchssystems fördern, das inzwischen technisch und wettbewerbstechnisch auf allen wirtschaftlichen Sektoren realisierbar ist, einschließlich Bergbau, Land- und Forstwirtschaft, Metall, Chemie, Energie, Papier und Pulpe u.v.m. Das in „The Blue Economy“ beschriebene Portfolio von 100 Innovationen sowie ihr wachsender Erfolg auf dem Markt in allen Teilen der Welt zeigt, dass diese individuellen Fortschritte keine Einzelfälle sind, sondern Teil eines neuen Trends, den ich als „Ende der Globalisierung“ zusammenfasse.

Zwar kann die vollständige Durchsetzung unseres sozialen und wirtschaftlichen Gefüges noch ein paar Jahrzehnte dauern, doch sie gewinnt bereits an Form und Wettbewerbskraft durch die Bedürfnisse vor Ort und die vorhandenen Ressourcen. So wird eine neue Gesellschaft entstehen, in der Arbeitsplätze geschaffen werden, die besten, gesündesten und umweltfreundlichsten Produkte billiger sind und der Aufbau von gesellschaftlichem Kapital einfach durch mehr Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit erreicht wird. Letztendlich ist dies alles, was vom homo economicus erwartet wird: Viel mehr mit viel weniger zu schaffen.

   
30.06.2011 11:38    talk talk talk:: 1    : People      : globalisierung  ölfördermaximum  gunter pauli  
 

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  •  akshay geschrieben vor 260 Tag (neutral) 
     
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    More multiple alternatives for demand fullfilments, depending upon geography / economic strata / local taste etc will see to it that globalized processes aimed towards economies of scale benefits become decreasingly viable and this will give an edge to the local producer.
     
       
     
     
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DAS ENDE DER GLOBALISIERUNG

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